Der Tonfilm des Amateurs, war immer eine Besonderheit.
Teil 2

Im vorherigen Beitrag wurde erwähnt, dass 1974 der Tonfilm mit Magnetstreifen auf dem Markt kam. Es war der Versuch eine optimale Lösung für Amateure zu finden, den lippensynchronen Film auf das kleinste Format zu bringen.

Kodak (USA) hat dafür ein ergänzendes Konzept entwickelt, bei dem in erster Linie der original Kodakfilm schon in der Fertigung mit einem Magnetband versehen wird.

Da das Trägermaterial des Films von Kodak auf Azetatbasis beruhte, und somit keine elektromagnetische Beschichtung zuließ, musste man ein gesondertes, magnetisierbares Band aufbringen, ähnlich derer, die bei Tonbandmaschinen eingesetzt wurden.

Nur so konnte man mit einer bereits vorhanden Technik, nämlich der die in der Musikindustrie genutzten Mittel, dem Stummfilm einen Ton hinzuzufügen. Bedingung wurde allerdings, dass Kameras und Projektoren technisch so ergänzt wurden, um Aufnahme und Wiedergabe zu ermöglichen.

Die Forderung, verlangte, wie sich herausstellte, eine intensive Zusammenarbeit bei der Entwicklung der neuen Apparate und Filmhersteller.

Einerseits, weil die Technik der Tonaufnahme - mehrheitlich Elektronik - für die Kamera- bzw. Projektorhersteller bis zu diesem Zeitpunkt nicht ins Fertigungsprogramm gehörte und der Filmhersteller auf die mechanisch bedingten Veränderungen an den Apparaten, mit neuen Abmessungen der Tonfilm-Kassetten reagieren musste.

Es galt also einen Standard zu finden, damit der Amateur problemlos Tonfilm und Kamera bzw. Projektor nutzen konnte, egal welches Produkt er letztlich einkauft.

Abgesehen von der vergrößerten Filmkassette zeigten sich die ersten Soundfilmkameras als sehr klobige Apparate, denn nun bedurfte es nicht nur 6 AA Zellen im Griff, nein, auch die Toneinrichtung in der Kamera verlangte Platz. Außerdem galt die Empfehlung den Film mit der höheren Geschwindigkeit von 24 B/s zu belichten, was allerdings stillschweigend, der Tonqualität zugutekommen sollte.

Durch die nochmals verkleinerten Gegebenheiten verglichen mit der Tontechnik eines Kompaktkassettenrekorders und der verbauten Elektronik in einer Sound-Kamera, sowie dem nur noch 0,8 mm breiten Magnetstreifen auf dem Film, ließen sich die merklichen Qualitätsunterschiede beim Ton nicht verbergen.

Selbst die nun sehr viel genauer laufenden Projektoren, was die Filmgeschwindigkeit betraf, konnten diese die mäßige Tonqualität - aufgenommen von der Kamera - durch zusätzliche Elektronik nicht wesentlich verbessern. Zudem boten die meisten Projektoren nur 1 Kanalton (mono) an, obwohl Musikkassettenrekorder zu dieser Zeit schon 2 Kanalton (stereo) lieferten.

Natürlich kann nicht verschwiegen werden, dass die Leistung der Toneinrichtungen in den Soundkameras bewundernswert war. Und doch gabe es noch ein weiteres Problem, welches nur sehr schwer in den Griff zu bekommen war. Das Eigengeräusch der Filmkamera wurde nicht selten zu einem Störfaktor bei den Tonaufnahmen.

So mancher Amateur arbeitete daher mit einem selbstgefertigten Blimps, wenn selbst die Teleskopstange des Mikrofons nicht ausreichte, das Eigengeräusch der Kamera, das Rattern außen vor zu halten.

Die meisten Tonfilmkameras hatten Mikrofonanschlüsse, neben der Möglichkeit ein separates Mikrofon am Apparat anzubringen. So wurden gerne Mikrofone mit langen Kabeln oder Funkmikrofone (Chinon WR 012, Porst Mikrofon DL Set) eingesetzt, die sich beispielsweise Interview-Aufnahmen sehr gut bewehrt haben.

Die Tonaufzeichnungen mit Soundkameras konnten Dialoge und Umweltgeräusche ausreichend gut erfassen. Bei Musikeinblendungen war allerdings der Frequenzgang von maximal 8000 Hz doch recht begrenzt. Man könnte aber fragen: Wo kam es denn schon vor, dass ein Musikstück einer Kapelle oder das eines Konzerts in ganzer Film-Material-Länge mit einer Schmalfilmkamera aufgenommen wurden ?

Bei solchen Aufnahmen, sofern diese geplant werden konnten, bediente man sich nach wie vor eines Kassettenrekorders, von dem man dann die gewünschten Musikpassagen beim Filmschnitt am Projektor vom Kassettenrekorder nahm und einfügte.

Wurden bei solchen Musikszenen, wie es Konzerte sind, Stummfilm-Material eingesetzt, so konnte auch die nachträgliche Magnetbandbespurung eines Stummfilms im heimischen Schneideraum erfolgen. Dazu wurden Bespurungsmaschinen, wie das Juwel 8 S 8 eigesetzt. Die entsprechenden Magnetbänder, in 0,8 mm Breite gab es frei im Handel.

Das Tonfilm-Material welches mit einem Magnetband versehen war, wurde in einer etwas größeren Filmkassette angeboten. Somit ergab sich, dass Soundkameras zwar Stummfilm-Material belichten konnten, aber Stummfilm-Kameras keine Tonfilme aufnahmen.

Jede Tonfilm-Kassette war so konstruiert, dass im unteren Bereich der Kassette, also mit 18 Bilder Vorlauf des Films, sich die entsprechende Öffnung befand, um beim Einlegen des Films in die Kamera, der Streifen in eine Tonkopfführung, einschließlich Andruckrolle des Capstan-Antriebs passte.

Der Capstan-Antrieb sorgte dafür, dass das Magnetband kontinuierlich am dem Tonkopf vorbei laufen konnte. Eine Grundbedingung für die (analoge) Tonaufzeichnung mit Magnetbändern. Folglich musste die Filmkassette den entsprechenden Puffer an Film-Material genaustens vorhalten.

Sound-Kameras hatten daher systembedingt auch 2 Schaltvorgänge bei jedem Start einer Filmszene. Zum 1. startete der Capstan-Antrieb, um die vorgegebene Transportgeschwindigkeit aus dem Stand heraus zu erreichen. Zum 2., griff beim Start die Mechanik der Toneinrichtung bzw. die des Filmtransports ein. So konnte sichergestellt werden, dass der Ton am Anfang der Filmszene nicht jaulte. Und doch war es ratsam, jeder Filmszene - insbesondere bei Nahaufnahmen mit Dialogen - noch eine kurze Vorlaufzeit (1-2 Sekunden) zu gönnen. Hier bewährte sich nicht selten eine Film-Klappe, wie man diese vorbildlich eingesetzt, vom Großen Kino her kennt.

Fortsetzung folgt nächste Woche


UN     





Dieser Beitrag als Wochen Ticker unterliegt dem Copyright © vom sappam.