Eigentlich haben die meisten Amateurfilmer nur spontan gedreht !

Wer dieser Aussage widersprechen möchte, sei herzlich eingeladen, hier den Kommentar abzugeben, um es zu widerlegen. Und doch kann zumindest gesagt werden, dass nicht wenige Besitzer einer Filmkamera, nur zu bestimmten Anlässen diese heraus holten.

Das solche Anlässe ein Urlaub, eine Konfirmation, eine Hochzeit oder der erste Besuch beim Enkel gewesen sein mag, ist bei der Feststellung, die hier getroffen wird, irrelevant. Und doch wurden die wenigsten Anlässe wirklich mit einer Planung zu einem Film gesehen. Es war oft sogar so, dass erst ein Film gekauft werden musste, um einer in Aussicht gestellten Gelegenheit überhaupt ein Bild abzutrotzen.

Batterien für Belichtungsmesser und den Filmtransport, auch nicht mehr als frisch zu bezeichnen, kamen auch auf die Liste der voraus Planung zum bevorstehenden Event. Gut, aber mit einem Film von 15 Meter war es nicht getan, und so wurde doch schnell das Budget für den Anlass überzogen. Mit 2 Filmen a 15 m, also einer späteren Vorführdauer von knapp 8 Minuten, zieht man den Verschnitt ab, das galt nicht unbedingt als abendfüllend.

Man wusste zwar, dass eine einzige Filmszene zwischen 4 und 10 Sekunden ausreichen würde, um aus der Summe aller aufgenommenen Sequenzen des Geschehens, einen Überblick dem Betrachter des Films zu vermitteln. Eine Handlung im Sinne eines geplanten Stückes war damit noch nicht entstanden. Daher auch die stets ergänzenden Erklärungen des Filmvorführers, selbst bei den weinigen, in den späten 1970er Jahren aufgenommenen Tonfilmen, sind immer wieder Zeugnis dafür.

Spontan aufgenommen Filmszenen bedurften, wenn überhaupt nachträglich möglich, einer großen Fantasie des Regisseurs und nicht wenigere Vorstellungen beim Filmschnitt, um aus dem meist kargen Filmmaterial noch eine Handlung herauszuarbeiten. Nicht das es unmöglich gewesen sei, doch den meisten Amateuren gelang dies nie.

Abgesehen davon, dass doch diejenigen, die die Fähigkeit besaßen, aus wenigen Filmszenen eine Aussage zu machen, die tatsächlich dem Publikum, dem Zuschauer, etwas vermittelt, der ging meistens mit einem Drehbuch oder zumindest einigen Gedankenskizzen an ausgewählte Drehorte.

Es galt schon immer als Faustformel, mindestens 2 Filmkassetten für eine abgerundete Begebenheit sind zu belichten, um dann daraus die wirklich aussagekräftige Szenerie zusammenzustellen und vorführen zu können. Auch war dem Könner bekannt, dass nur 2/3 des belichteten Filmmaterials geeignet sei würde, einen guten Film daraus zu schneiden. Ja, manchmal blieben sogar nur wenige Meter übrig.

Sanfte Übergänge von Filmszenen, waren dem Amateur nur bedingt Möglich, besaß er eine der üblichen Filmkameras. Das Aufblenden bestand darin, von einem dunklen Hintergrund überzugehen zur anstehenden Szene, das Abblenden hingegen, eine Szene im Dunklen enden zu lassen. Die Bild-in-Bild-Szenenüberblendung war nur mit hochwertigen Apparaten möglich. Es musste aber gekonnt sein diese Tricktechnik anzuwenden und schon mit einer Vorahnung zum Geschehen konsequent agiert werden.

Auch wenn der Amateur durchaus die Reihenfolge der Vorkommnisse voraussehen konnte - beispielsweise der Abflug zum Reiseziel - so ergab sich für ihn noch lange nicht die Möglichkeit, vor Ort die ideale Kamerapositionierung aufzusuchen. Ob es nur die ungünstigen Lichtverhältnisse waren oder ein Verbote des Zutritts, geriet oft zur Überraschung.

Selbst das große Kino, das mehrheitlich mit Drehbuch arbeitet, sieht sich immer wieder mal vor unlösbaren Situationen. In solchen Fällen wird dem Zuschauer mittels eines Verweises oder einem atypischen Bild, manchmal auch mittels Ton- oder Klang, die fehlende Szenen der Handlung nachgereicht, die dem Kameramann vor Ort am Set verwehrt wurde.

Man kann konstatieren: Es war die Begabung eines Kameramannes, wenn er als Amateur auch die Fähigkeiten eines Regisseurs und die des Drehbuchautors verkörperte, um später am heimischen Schneidetisch ein Werk, im Sinne des Wortes, aus den vorhandenen Filmszenen machte, welches aussagekräftig genug war, um ein unbeteiligtes Publikum zu begeistern.

Und nun kommt die Aussage vom Anfang dieses Beitrafes zum Tragen: Wie viele waren es, unter den Millionen von Kameramännern und -frauen die wirklich aus ihren Filmstreifen einen aussagekräftigen Film machten ? Die meisten Filme, die von der Entwicklungsanstalt zurückkamen, wurden nicht einmal von der 3 Zoll-Spule auf eine größere Spule gebracht. Ganz zu schweigen, von der minimalsten Nacharbeit, dem Herausschneiden aller verwackelten Filmszenen, Aufnahmen die jeden Genuss bei der Vorführung zunichte machten.

So gesehen, konnte der Dia-Vortrag in jeder Hinsicht eine bessere Vorführung bieten, da die schlechtesten Bilder nicht gezeigt wurden und wenn sie doch noch im Magazin waren, schneller übersprungen wurden um die Guten vorzuführen.

Der Boom des Amateurfilms war insofern auch dem Dia-Boom der 1960er Jahre geschuldet. Standbilder, die überholten sich mit den erleichterten Möglichkeiten des Schmalfilms in Kassetten, ab 1965. Doch der Ehrgeiz des Fotografen, ein gutes Bild zu schießen, dem noch das Dia-Positiv zugrund lag, der wurde durch den Film verlassen. Und die Einsicht, dass dem großen Kino nicht entsprochen werden kann, war für Amateure nicht unbedingt hinderlich, die filmten weiterhin spontan. Bis in die 1980er Jahre, dann kam das analoge Video auf den Plan.

Was übrig blieb, bleibt noch abzuwarten. Die tausendfachen Diamagazine verstauben mittlerweile genauso, wie die unzähligen Filmrollen in privaten Schränken. Alles Fotografien und Filme die kaum mehr mit einem alterungsbedingt, funktionsunfähig gewordenen Projektor vorgeführt werden können.

Hier fangen wir an, dass alte Fotoalbum zu schätzen, denn dem ist ein längerer Erhalt ganz sicher. Auch wenn manchmal sein Gegenstück mit den vielen Erinnerungen nur aus einem Schuhkarton, oder einer Keksdose besteht. Diese fotografischen Dokumente sind noch vorhanden und wir brauchen, um sie anzusehen, keine weiteren Hilfsmittel.

UN     





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