Wie steht es um die Funktion der alten Sammelstücke, die das sappam als Museumsobjekte besitzt ?

Ob es Spenden waren oder zugekaufte Objekte, die vom Museum verwaltet werden, kann im Allgemeinen gesagt werden, die meisten sind eingeschränkt funktionstüchtig. Einige unbrauchbar und nur als Ausstellungsstücke zu betrachten. Doch andere sind voll funktionstüchtig. All diese Exponate, wohl bemerkt, sind Apparate, die ausschließlich für Amateure konzipiert wurden und daher auch aus privaten Beständen kamen.

Den Anfang der Sammlung machte die Gruppe der Schmalfilmkameras, die vom Boom der 1970er Jahren erfasst wurden und in fasst 50% der deutschen Haushalte zu finden waren. Diese Filmapparate wurden mehrheitlich in großen Serien gefertigt und zu jener Zeit erfolgreich an den Amateur als Freund des Films gebracht. Sie stellen heute, nach knapp 45 Jahren, noch keine Besonderheit dar, auch wenn das sappam diese Apparate aus der Super 8 Familie schon als sammelwürdig erachtet.

Der Entschluss von jedem Modell jener Zeit, mind. ein Exemplar dem sappam zuzuführen, fußte auf der Erkenntnis, dass in der Gruppe der Super 8 Filmkameras und der dazu passenden Filmprojektoren, einige Modelle, aufgrund ihrer Qualität und Bauart einen hohen Anspruch an Wertigkeit besaßen. Mehr noch, wenn diese auffielen, durch das ihnen eigene Industriedesign. Anders gesagt: Eine ästhetische Form aufweisen oder ergonomisch gestaltet wurden. Eigenschaften, die generell betrachtet, durchaus noch nicht zur Selbstverständlichkeit jener Zeit gehörten.

Man könnte sogar streiten, ob der Trend zum eleganten Industriedesign aus Deutschland oder Italien der 1970er Jahre kam bzw. von japanischen Designern vorgegeben und zuerst angeboten wurde.

In Italien der 70er Jahre wurden unzählige Industrieprodukte bekannt, deren Hersteller ihre Bedeutung nur durch ein gelungenes Industriedesign erhielten. In Deutschland war Dieter Rams der Vorreiter schöner Formen, und zweifellos der bekannteste Industriedesigner der Branche. Und dies nicht nur bei der Gestaltung von Filmkameras der Marke Nizo, nein auch anderer Elektrogeräte aus dem Haus der Braun AG.

Der Wunsch gestalterisch auf das Äußere der Apparate einzuwirken war anfänglich durch die Strömungen des Jugendstils und etwas später durch die Formengebung des Bauhaus / Dessau entstanden. Erst der strategische Marketing-Ansatz, ab 1950, half bei der Produkteinführung neuer Modelle. Dem Endverbraucher sollte das Äußere der Apparate gefallen. Dazu mussten der altbekannten Stil der Vorkriegszeit, der typisch für die zwischen 1935 und 1950 liegenden Jahre war, auch bei Filmkameras für Amateure definitiv verlassen werden und neue Gestaltung annehmen, um den Markt zu erobern.

Aus Japan kam die berühmt gewordene Schmalfilmkamera, Modell Elmo 8 V, als eine der Ersten, die in puncto gelungener Proportionen, nicht von ungefähr, einen Preis für die ansprechende Formgebung verliehen bekam. Schon beim ersten Anblick dieses Apparates fällt dies angenehm auf. Selbst Details und die Funktionalität, der, im Jahre 1956 auf den Markt gekommenen Doppel 8 Filmkamera, überzeugte jeden Betrachter. Aus heutiger Sicht ist dieser Apparat und ähnliche gut gestaltete Modelle der Zeit durchaus schon als sammelwürdig zu sehen.

Durch die Einführung der Filmformate Super 8/Single 8 und somit unabdingbare Änderungen im Konzept moderner Fertigungsmethoden erforderlich wurden, beflügelte die Konstrukteure von Amateurfilmkameras merklich dem Industriedesign aufmerksamkeit zu schenken. Klare Linien und saubere Oberflächen waren die Folge. Der Trend zum übersichtlichen Bedienungsfeld wurde eine Bedingung.

Unter diesen Bedingungen fanden auch neue Materialien Einzug in die Produktion. Was sich gelegentlich als sehr bedauerlich erweisen sollte. Denn da, nennt man die klassischen Beispiele, sind schwerwiegende Nachteile eingetreten. Eine unzureichend geprüfte Alterungsbeständigkeit der eingesetzten Klebstoffe oder bestimmte Egenschaften, gummierter Oberflächen. Ähnliches gilt für Schmierstoffe und schnell spröde gewordene Kunststoffteile.

Diese sich als negativ auswirkenden Eigenschaften gealterten Materialien, machen heute nach ca. 45 Jahren, selbst den äußerlich gut erhaltenen Apparaten Schwierigkeiten, wenn nicht sogar deren Funktionstüchtigkeit fragwürdig. In einige Fällen wird der Apparat auch unbrauchbar. Die schrumpfenden Kunststoffbelederungen an Schmalfilmkameras, die bei sehr vielen Modellen üblich waren, um Verschraubungen zu kaschieren, sind dabei das geringste Problem.

Aufgeklebte Prismen bzw. Spiegelplättchen im Inneren einer Kamera machen so manchen Sucher unbrauchbar, mithin die Filmkamera sofort ungeeignet für den regulären Einsatz. Auch Augenmuscheln vom Okular, die sich als klebriger Gummikluppen mit der sehr unschönen Eigenschaften nicht nur die Kleider zu verschmutzen, lassen die heutigen Filmkamerabesitzer oft verzweifeln.

Fällt ein kritische Blick, zwecks Beurteilung eines Filmprojektors, auf den allg. Zustand, so werden zwei Dinge bedeutsam: das Leuchtmittel und der bzw. die Antriebsriemen im Inneren des Apparates. Antriebsriemen sind die anfälligesten Bauteile auf Alterung in einer Vorführmaschinen. Sie sind maßgeblich am Filmtransport und der Spulendrehung beteiligt. Ersatzteile für diese Riemen sind, wenn überhaupt noch, nur zu hohen Preisen erhältlich.

Zusammenfassend kann gesagt werden, im sappam befinden sich in der Gruppe der Filmkameras ca. 80% der Kameras in einem funktionstüchtigen Zustand, sieht man davon ab, dass es keine Knopfbatterien mehr gibt, die mit ihren 2,7 V den TTL-Belichtungsmesser ordnungsgemäß mit Strom versorgen. Bei den Projektoren ist das Verhältnis von betriebsbereiten Apparaten zu den reparaturbedürftigen von 60 zu 40 Prozent etwas ungünstiger.

Dadurch wird vorwiegend die Modellvielfalt zur Attraktion bei den Vorführungen in unseren Workshops. Sind die Modelle mehrfach vorhanden, können auch bei demontierten Apparaten und deren Mechanik interessanten Einsichten führen. Bei den Objektivsystemen gilt das gleiche.

Der nicht selten erforderliche Erfindergeist der Konstrukteure wird dann sichtbar, wenn patentrechtlich geschutzte Konstruktionsmerkmale umgangen werden mussten. Besonderer Spaß kommt bei einer detaillierten Betrachtung auf, vergleicht man die Apparate der gehobenen Klasse mit denen der untersten Kategorie. Nicht zu vergessen sind auch jene, die als Spielzeug angeboten wurden.

Zuweilen auch kommt die Frage auf: welch Sammelwert ein Modell oder das gesamte sappam-Projekt mittlerweile erreicht hat ? Nun, dann ist zu differenzieren. Der passionierte Sammler wird jedem seltenen oder gut erhaltenen Apparat als Einzelstück einen höheren Wert beimessen, als es ein Gelegenheitssammler täte, der nur eine Vitrine füllen möchte. Der erfahrene Fotoapparatehändler kennt mit Sicherheit den Inventarwert und kommt schnell auf Zahlen, die kaum erwähnenswert erscheinen. Der ideelle Wert hingegen, der sich auf die Sammlung als Ganzes beziehen mag, steigt von Jahr zu Jahr. Schon deshalb, weil naturgemäß, die Objekte, welche es auch immer sein mögen, am freien Markt von Tag zu Tag seltener werden.




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