Selfies, eine Erscheinung, die der Schmalfilmer so noch nicht kannte.

Es ist kaum zu glauben, aber das Smartphone hat die Welt eindeutig verändert. Es bedurfte keine 2 Jahre, bis sich der Trend zum eigenen Fotomachen, zu einem Volksport entwickelt hat. Ja, es musste sogar erst noch ein neues Wort geschaffen werden, um die eigenartigen Fotoporträts zu einem selbstredenden Begriff zu machen.

Wie so oft wurde das neue Wort 'Selfie' von Journalisten, mit der heute gültigen Bedeutung, in einem Internet-Forum, im Jahr 2002 eingeführt. Dem Fotoporträt zugewiesen Begriff, kam es aus Australien und verbreitete sich im gleichen Maße, wie der Handyhersteller Apple (USA) die zuvor sehr einfachen mobilen Telefone, die Handies, technisch neu aufbaute und mit einer Vielfalt von neuen Funktionen ausstattete.

Wir schrieben das Jahr 2007. Seither können die als Smartphones bezeichneten Geräte Fotos machen. Diese kleinen flachen Geräte waren folglich in der Lage, weil auch ihr Gewicht relativ niedrig ausfiel, auf Armlänge gehalten, ein scharfes Bild des Nutzers zu schießen.

Nicht dass dieses auch schon früher möglich gewesen wäre, mit einem handelsüblichen Fotoapparat oder Amateurfilmkamera, nein, es war nur nicht üblich. Gut die Selbstporträts machte man als Gruppenbild mit Selbstauslöser. Wobei allein sich als Positionieren ein Spaß für sich darstellte, wenn man eine geeignete Auflage für den Apparat gefunden hatte.

Dass die Selfies in den 1970er Jahren noch keine Selbstverständlichkeit waren, beweist schon die Fülle an Amateurfilmen, wo die Familienmitglieder zu sehen sind, nur nicht der Kameramann. Der war ja hinter der Kamera und galt nicht selten als der einzige kompetente Mann um den Film-Apparat zu führen.

Letzteres war genauso unsinnig wie die Behauptung, Frauen können nicht einparken. Sicher ist es allerdings, dass Frauen der damaligen Zeit, diese Domain des Mannes nur sehr selten übernehmen wollten. Obwohl die Werbung und einschlägiges Prospektmaterial auch Frauen hinter der Kamera abbildeten.

Es waren noch die Zeiten, wo die Hausherren das Geld verdienten und über derartige Anschaffungen, die nicht selten ein Monatseinkommen darstellten, das Sagen hatten. Wenn nicht sogar die Selbstdarstellung als Imagefrage im Vordergrund stand. Man hatte eine Filmkamera in einer Bereitschaftstasche oder einen Fotoapparat der stolz vor der Brust getragen wurde.

Das war ein Statussymbol. Heute wird es etwas anders gesehen, doch hintergründig dürfte es auf dasselbe herauslaufen. Selfies, sind Bilder die jedem der sie betrachten soll, signalisiert wird 'Hier bind ich, hier war ich'. Heute, in einer Zeit, in der die Mobilität zum einem der wichtigsten Merkmale der Gesellschaft geworden ist.

Wer einmal kurz zum Wochenende in die Hauptstadt unsers Nachbarlandes fährt oder für 4 Tage über den Ozean fliegt, der hat es mitzuteilen. Er kann es mitteilen und das sogar mit bewegten Bildern. Das Smartphone in Zusammenarbeit mit dem Internet macht es möglich. Sogar in 'real time'.

Inwieweit hier eine gesellschaftliche Veränderung durch die Nutzung solcher Apparate eingeleitet wird, ist kaum zu beurteilen. Dass sich aber so etwas abzeichnet, kann kaum mehr verneint werden.

Wollte man früher höchsten, Erinnerungen für die nachfolgenden Generationen schaffen, so dürfte das jetzige Verhalten mehr als ein Drang zur Selbstbestätigung sein. Gewiss eine gewagte These, doch der ursprüngliche Gedanke, mit einem Porträt die Vergangenheit einzufangen und daraus ein Dokument zu machen ist wohl überholt.

Porträts und darunter fallen auch die Selbstporträts, erfüllten schon immer einen Wunsch des Menschen, sich zu stilisieren, zu verewigen, oder zu vielleicht sich auch nur zu beurteilen. Aber es gab allem Anschein noch nie eine Ära, in der die Masse an Selfies die angefertigt wurden, so groß war, wie es heutzutage der Fall ist.

Mit Datum, GPS-Koordinaten und einer eindeutigen Nummerierung versehen, sind Selfies so gesehen Dokumente, wenn sie geordnet verwaltet werden. Bildausschnitte von Gesichtern mit Fratzen und verstellter Mimik dürften nicht zu den Kunstwerken zählen, die in der Zukunft Beachtung finden. Und doch könnte, auch das Selfie einen Beitrag leisten, die gesellschaftlichen Unterschiede der Völker hervorzuheben und somit diese auch als eine Bereicherung des eigenen Lebens zu sehen.

Betrachtet man ausschließlich die technische Möglichkeit des Selbstporträts auf die Schnell zu machen und erachtet diesen Vorgang als übertriebenes Selbstwertgefühl, so sollte doch dem 'Selfie' nicht abgesprochen werden, dass es auch Glückseligkeit in nicht unerheblicher Weise erzeugen kann. Wir denken da an die glückliche Mutter, die ihr Kind in der Fremde sieht, der strahlende Opa der sich mit dem Enkel ablichtet.

Nichts Eigenartigeres kann passieren, wenn alte Familienfilme vorgeführt werden, die Kleinsten und die Halbwüchsigen mit Mutter oder Tante ständig im Bild auftauchen, aber der Vater so gut wie nie zu sehen ist. Da fehlt einfach etwas. Dieses Unnatürliche wird durch die Selfies nun aufgehoben. Auch dann, wenn es manchmal etwas zu viel des Guten ist, dass mit der Porträtierung mittels eines Selfie-sticks. Diesem merkwürdigen Gerät, in dem das Smartphone auf Distanz gehalten wird, um den eigenen Arm zu verlängern.

UN     





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