Waren es viele die mit einer Schmalfilmkamera ein
Kunstwerk schaffen wollten ?

Eine Bilanz könnte man heute, nachdem 40 Jahre vergangen sind, ziehen und seither der klassische Schmalfilm immer mehr in der Mottenkiste verschwand. Die meisten Streifen, die belichtet wurden, sind von Amateuren gedreht worden, ohne ein besonderes Konzept oder Drehbuch gehabt zu haben.

Auch wenn sich speziell in den 1960er-Jahren in Ost-Deutschland Filmklubs an vielen Orten gründeten, so war dies mehr ein Bedürfnis zur sinnvollen Beschäftigung und weniger der künstlerischen Kreativität zur Liebe. Es war sehr oft ein Ventil, dem Alltag zu entgehen.

In West-Deutschland gab es bei Weitem nicht so viele Klubs oder Vereine von Filmfreunden bezogen auf die Bevölkerungsdichte. Schon deshalb, weil ein höherer Anspruch an die Klubmitglieder gestellt wurde, nämlich dem Großen Kino als das Vorbild nachzueifern. Auch lag es daran, dass die gegebenen Möglichkeiten durch die technische Ausrüstung an Apparate um einiges umfangreicher war.

Dieser wahrnehmbare Unterschied, anspruchsvolle Filme zu drehen, vergrößerte sich zunehmend, nachdem in den 1970er-Jahren, als das Super 8 Filmformat einen Boom auslöste, sich der Trend zum Amateurfilm in Ost-Deutschland nicht so frei entwickeln konnte.

Mehr noch, die Beschaffung von hochwertigem Film-Material wurde in West-Europa, den USA und in Asien für den Amateur immer günstiger. Und das öffentliche Fernsehen konnte, was die Bildqualität betraf, noch nicht mit dem Laufbild des Amateurs auf einer heimischen Leinwand mithalten.

Ganz abgesehen davon, dass die Programmauswahl in den Siebzigerjahren je nach Region nicht über das 3. Programm hinaus ging.

So waren die selbst gedrehten Filme, auch wenn diese in keiner Weise dem professionellen Ansprüchen genügten, ein gern gemachtes Oeuvre von Familienfesten und Urlaubsreisen.

Nur in den schon erwähnten Film-Klubs konnte man fachsimpelnd über Drehbücher oder einen ernsthaften Stoff für einen Kurzfilm bzw. einer Filmepisode die Machbarkeit mit vorhanden Apparaten erarbeiten. Was gelegentlich auch künstlerische Ambitionen hervorbrachte.

In diesme Zusammenhang darf nicht vergessen werden, dass auch Schulprojekte, die in sogenannten Arbeitsgemeinschaften die AGs durchaus interessante Ansätze für künstlerische Arbeiten mit Film-Material und Szenenbildern hervorbrachten. Nur sind leider diese zu selten in der Öffentlichkeit richtig gewürdigt worden.

Gemessen an der Gesamtzahl belichteter Amateurfilmstreifen stellen diese Arbeiten tatsächlich nur einen sehr geringen Anteil dar. Um so mehr sollte man die eingebrachte Fantasie der jungen Leute und die dafür erforderliche Begabung zur Durchführung als bewundernswert erklären selbst dann, wenn noch nicht in jedem dieser Werke ein künstlerischer Anspruch gegeben ist.

Manchmal scheint es, als sei in der Einfachheit einer Darstellung, sei sie mit Schauspielern oder nur vor natürlicher Kulisse schon alles getan, um einen guten Amateurfilm zu drehen. Weit gefehlt ! Es sind die außergewöhnlichen Blickwinckel und Ideen die ein Film zu einem Kunstwerk machen. Und nicht der technische Aufwand als solcher.

Da denken wir an den französischen Künstler, der einen 15 m langen Super 8 Filme, also einen etwas länger als 3 Minuten laufenden Streifen, ununterbrochen vor einen Menschen stellte und sein Gesicht belichtet, ohne ihm auch nur einen Dialog abzuverlangen. Lediglich die sich einstellende Gesichtsmimik bei laufender Kamera machte jeden dieser Streifen zu etwas Besonderem. So entstanden die legendären Cinématon von Gérard Courant.

Auch Trickfilmtechniken waren bei Amateuren mit besonderem Engagement sehr beliebt, wenngleich diese mit 16 mm Filmkameras erarbeitet wurden. Dennoch auch auf 8 mm Streifen und entsprechender Ausrüstung neben einer geeigneten Filmkamera und einem gut ausgeleuchteten Vorlagetisch gelangen solche Trickfilme, die durchaus künstlerrlischen Wert haben. Auch wenn die Ausführungen nicht jedermanns Geschmack traf.

Aber wo gibt es das schon ? Selbst das Große Kino schaffte es nie, aus jedem Film ein Kunstwerk zu machen. Ob es am Sujet oder an der Ausrüstung lag, an der Regie oder an den Darstellern, sei letztlich dahingestellt.

Doch die Freunde des Films haben mit den unterschiedlichsten Mitteln Werke geschaf- fen, die dem Trend der Zeit entsprachen und so in die Zukunft schauende Dinge erstellt, die in ihrer Einmaligkeit bewundernswert sind.

Bei der Vielfalt der entstanden Arbeiten ist es erstaunlich, dass das klassische Medium Laufbild so etwas doch hinterlassen hat. Nicht alles entspricht dem derzeit gültigen Begriff für Kunst, der als solcher ebenso einem steten Wandel und ihren Strömungen ausgesetzt ist. Aber eines ist klar, es gibt tatsächlisch heute schon erkennbare Filme, die dem Prädikat Kunstwerk auch zukünftig genügen.

 

Leider ist der Konsum von Filmklassikern nur bedingt durchführbar, schon weil der Genuss am Werk als solchem nur mit der Bereitschaft zur inneren Hingabe geschehen und erfüllt werden kann. Und dann noch die darin verborgenen Kunst zu erkennen, stellt einen besonderen Anspruch an den Betrachter.

Auf Film-Festivals werden solchen Angebote gemacht, wenn die unterschiedlichsten Arbeiten einem Publikum und einer Juri vorgestellt werden. Da gibt es die Kurzfilm-Festspiele und die Amateurfilm-Festspiele in vielen Ländern der Welt. Alles Veranstalt- ungen wo sich die Könner unter den Begabten und Künstler treffen, um ihre Werke vorzustellen.

Der World Movie Contest UNICA, ist eine der Veranstaltungen, die jährlich in einem anderen Land der Welt stattfindet. 2017 war der Veranstaltungsort die Zeche Zollverein im Ruhrgebiet / Deutschland, wo sich auch Amateure des Films nicht nur mit 8 mm Filmen präsentieren konnten.

Dann ist da noch das Deutsche Amateur Film- und Video Festival (DAFF), auf dem jährlich vom Filmnachwuchs und semiprofessionelle Filmemachern Werke vorgestellt werden.

In der Kategorie für den Nachwuchs der Filmemacher ist beispielsweise das in der Schweiz angesiedelte Festival der Jugendfilmtage/Festival Ciné Jeunesse Suisse eine feste Größe im Veranstaltungskalender (jeweils im März). Hier werden an die 50 Werke aus dem Experimentierbereich jugendlicher Filmemacher genauso vorgestellt wie Trick- und Kurzfilme.

In Österreich können sich die Nachwuchs- filmer auf der Independent Short - nun auch mit Werken auf Video-Material - präsentieren, die den Kurzfilm als das Medium der ersten Wahl für einen Start zum künstlerischen Erfolg suchen. Diese Veranstaltung wird meistens Ende Mai Anfang Juni eines Jahres in Wien abgehalten .

Die Reihe der Aufzählungen könnte hier noch weiter gehen, doch belassen wir hier diese Auflistung damit, indem wir noch das FilmSchool Fest Munich erwähnen, wo sich der Nachwuchs - International - der Filmschaffenden in unseren Tagen mit ihren Arbeiten zur Teilnahme am Festival bewerben können, welches meistens im Monat September von den Filmfachhoch- schule München veranstaltet wird.

Das sich weltweit solche Festival als regemäßige Veranstaltungen etabliert haben, zeigt, dass von den Filmemachern, die meistens in jungen Jahren mit dem Schmalfilm - heute mit der Video-Kamera - angefangen und die unterschiedlichsten Richtungen dieser Berufsgruppe für sich so entdeckt haben.

Man muss nicht nur die Technik für Film- apparate kennen, auch Drehbuchautor will gelernt sein. Experimentalkünstler sind jene Naturen, die abseits von der Norm Dinge inszenieren, welche auf herkömmlichen Wegen nicht hergestellt werden oder zu erwarten sind.

Dieser Gruppe ist es aber schließlich zu verdanken, dass Kreativität dem Beruf die Krone aufsetzt. Ob die Erbenisse immer Anerkennung finden, das steht auf einem anderen Blatt. Sicher ist nur, dass das Medium Laufbild und somit diese spezielle Art der Fotografie unschätzbare Beiträge leistete, um diese Kunst und als solche die Künste um ein Wesentliches zu erweitern.

Das streben vom Einfachen zum Komplexen ist dem Menschen eigen. Daher ist auch das Angebot der Schmalfilmtechnik mit all seinen hervorgebrachten Varianten nicht zu unterschätzen. Und doch scheint es, dass heute der klassische Schmalfilm, gedreht vom Amateur tatsächlich vor einem Scherbenhaufen steht. Denn das sichtbare Manko, einfach einen solchen Film einmal in Ruhe zu betrachten, ist oft mangels noch funktionstüchtiger Technik fast unmöglich geworden.

Der Übergang vom Zelluloidfilm zur Digitaltechnik war so radikal, dass all die noch vorhanden Werke aus vergangener Zeit sang- und klanglos unterzugehen drohen.

Die klassische Fotografie hat noch das Album - manchmal auch nur einen Schuhkarton - als Archiv mit Bildern der Vergangenheit. Das Diapositiv aus den Sechzigerjahren verweilt in Schubern und setzt durch Pilzbefall mehr und mehr Flecken an. Doch der hierfür erforderliche Projektor ist oft noch funktionsfähig.

Die Filme mit Laufbildern in den aneinander gereihten Filmschatullen aus Opas Bücherschrank werde da wesentlich seltener als verborgener Schatz entdeckt. Das junge Publikum von heute hat andere Interessen. Der Ältere und somit Nachfahre in erster Generation des Filmemachers, sprich, das Kind von Opa und Oma, traut sich die hierfür vorgesehenen Apparate, mangels Wissen schon kaum noch zu bedienen.

Wenn allerdings diese Apparate gefunden werden, muss sehr oft festgestellt werden, dass die essenziellen Funktionen auch nicht mehr vorhanden sind. Das Dilemma ist perfekt, eine Vorführung wird unmöglich.

Ob der Inhalt all dieser schlummernden Filme nur Familienereignisse vergangener Tage zeigt oder der Film als ein Kunstwerk zu erklären ist, bleibt dabei unbeantwortet. Und das scheinbar für immer !



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